• Bernd Lohmeyer

Zehn Jahre Industrie 4.0


Der Begriff „Industrie 4.0“ ist heute weltweit in aller Munde. Überall wird an der Digitalisierung der industriellen Produktion geforscht und gearbeitet. Die vierte industrielle Revolution soll eine umfassende intelligente Vernetzung von Menschen, Maschinen und Produkten hervorbringen. Produktion soll so flexibler, effizienter, ressourcen- und umweltschonender und kundenzentrierter gestaltet werden.


Weniger bekannt ist im Allgemeinen, dass das Konzept zu Industrie 4.0 ursprünglich aus der Feder einiger deutscher Wissenschaftler stammt. Beteiligt waren die Physiker Henning Kagermann und Wolf-Dieter Lukas sowie der Informatiker Wolfgang Wahlster. 2011 umrissen sie in dem Artikel „Industrie 4.0: Mit dem Internet der Dinge auf dem Weg zur 4. industriellen Revolution“, der zur damaligen Hannover Messe erschien, ihre Idee.

Zehn Jahre ist dies nun her und in einem weiteren Artikel in der FAZ unternahmen Kagermann und Wahlster zu diesem Jubiläum eine Bestandsaufnahme zur Entwicklung von Industrie 4.0 – einen Rückblick sowie einen Ausblick auf das Kommende. Industrie 4.0 sei als innovatives Hightech-Konzept aus Deutschland weltweit ein Exportschlager geworden, so Kagermann und Wahlster, da es „die Basis für datenbasierte Wertschöpfung, innovative Geschäftsmodelle und Organisationsformen, aber auch für neue Lösungen in Bereichen wie Energie, Gesundheit und Mobilität“ bilde.

"Internet 4.0 bildet die Basis für datenbasierte Wertschöpfung, innovative Geschäftsmodelle und Organisationsformen, aber auch für neue Lösungen in Bereichen wie Energie, Gesundheit und Mobilität."

Die beiden Wissenschaftler führen der Erfolg des Konzepts nicht zuletzt auf eine breite gesellschaftliche und politische Unterstützungsbasis zurück – etwas, das man sich bei anderen Digitalisierungsbemühungen in Deutschland auch hin und wieder wünschen würde. So seien das „Internet der Dinge und darauf aufsetzende cyberphysische Systeme sind in modernen Fabriken heute Realität“, beschreiben die Autoren den derzeitigen Stand. Hier bleibt einzuwenden, dass dies in einigen Großunternehmen sicherlich bereits der Fall ist, zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen bisher jedoch immer noch an den Grundlagen der Digitalisierung scheitern.


Dennoch ist ein erheblicher Fortschritt auf dem Gebiet der digitalisierten industriellen Produktion erkennbar. Kagermann und Wahlster umreißen in ihrem Artikel zudem neue Ideen, die zur Weiterentwicklung von Industrie 4.0 beitragen können. Eine solche Idee ist die sogenannte „Home Workbench“, welche „die mobile Steuerung, Wartung und Reparatur von Fabrikanlagen als Softwarelösungen mit Fernzugriff auf cyberphysische Systeme bis hin zur Tele-Operation mit physischen Avataren ermöglichen“ soll. Eine solche Innovation würde beispielsweise Home Office für zahlreiche Berufszweige ermöglichen, in denen dies bisher undenkbar war und die Arbeitswelt weiter grundlegend verändern.


Zahlreiche Weiterentwicklungen sind auch dank einer sich stetig verbessernden Künstlichen Intelligenz zu erwarten. Kagermann und Wahlster sehen die Potenziale von Industrie 4.0 daher noch lange nicht als ausgereizt. Der Artikel „Deutschlands Zukunft : Zehn Jahre Industrie 4.0“ der beiden Wissenschaftler ist hier nachzulesen: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/digitale-technik/digitalisierung-der-produktion-zehn-jahre-industrie-4-0-17267696.html.

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