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  • Bernd Lohmeyer

Katastrophe? Ich wurde nicht gewarnt!

Die neue Warntechnik Cell Broadcast im Testdurchlauf


Donnerstag, 8. Dezember 2022, 11:00 Uhr: In ganz Deutschland schlagen Millionen von Handys Alarm – mein Smartphone bleibt stumm. Im Falle einer Katastrophe, hätte mich eine Warnung also nicht auf schnellstem Wege erreicht. Zum Glück handelt es sich nur um einen Testdurchlauf am bundesweiten Warntag. Neben den klassischen Kommunikationswegen wie Radio, Fernsehen oder Sirene wurde erstmals auch das System Cell Broadcast eingesetzt. Es soll Notfallwarnungen direkt auf die Smartphones der Bürger schicken.


Ein Blick ins Internet genügt, um herauszufinden, dass die Notfallmeldung nicht nur auf meinem Smartphone ausgeblieben ist. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. So kann ein ausgebliebener Alarm an fehlenden Updates oder veralteter Hardware liegen. Außerdem haben wir noch immer kein flächendeckendes Mobilfunknetz. Doch es scheinen noch nicht alle Probleme des Cell Broadcasts bekannt zu sein. Für den fehlenden Alarm auf meinem Smartphone bleibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zum Beispiel eine Erklärung schuldig. Die stellvertretende Unionsfraktionschefin Andrea Lindholz äußerte in diesem Zusammenhang deutliche Kritik: „Eine flächendeckende Warnung der Bevölkerung sieht anders aus. Trotz des neuen Warnmittels Cell Broadcast wurden erhebliche Teile der Bevölkerung wieder nicht erreicht.“ Der BKK-Präsident Ralph Tiesler zog hingegen eine positive Bilanz, räumte jedoch auch Verbesserungsbedarf „an der einen oder anderen Stelle“ ein. Daten für eine fundiertere Auswertung lägen frühstens im Januar 2023 vor.


Trotz Pannen ein wichtiger Schritt


Der von Ralph Tiesler formulierte Verbesserungsbedarf steht außer Frage. Trotzdem ist der bundesweite Probealarm und das neue Cell Broadcast System ein Schritt in die richtige Richtung. Die dynamischen Kommunikationswege unserer Zeit müssen auch für den Katastrophenschutz zugänglich werden. Warn-Apps wie Katwarn oder Nina stehen zwar schon länger zur Verfügung, erreichen jedoch nicht die breite Bevölkerung. Lediglich 13 Millionen Nutzer haben die Warn-App NINA heruntergeladen. Das neue Cell Broadcast System hat das Potenzial in Notfällen und bei Katastrophen schnell, einfach und zielgenau eine große Anzahl von Menschen zu informieren. Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat erneut gezeigt, dass es sich hierbei nicht nur um Gedankenspiele handelt. Die Ergebnisse des Probealarms müssen jetzt wirksam ausgewertet werden, um Korrekturmaßnahmen einleiten zu können. Letztlich werden Probedurchläufe genau für diesen Zweck konzipiert. Es gilt also die Kritik konstruktiv aufzunehmen und den Blick nach vorne zu richten. Dann wird mich in Zukunft auch mein Handy vor tatsächlichen Katastrophen rechtzeitig warnen können.


Ein effektives Warnsystem ist übrigens nur ein Baustein des gesamten Krisenmanagements. Um tiefer in diese komplexe und relevante Thematik einzusteigen, empfehle ich meine aktuelle Podcastfolge: Bernds Customer Journey - Wie Enterprise UX die Effizienz von Krisenmanagement steigert.


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