Enterprise Design mit Consumer UX

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UX for enterprises

Neulich bin ich über einen sehr interessanten Artikel gestolpert:
The Future of Enterprise Design Is Consumer-Grade UX von Amanda Linden bei UX Magazine

Die Autorin beschreibt, dass der Unterschied zwischen der Gestaltung einer Konsumenten- und der einer Unternehmensanwendung gar nicht so groß ist. Mann sollte an beide dieselben Anforderungen hinsichtlich Usability, Performanz und Markenbildung (Brand Standard) stellen. Unter letzterem verstehe ich das konsistente Erscheinungsbild aller Anwendungen eines Unternehmens.

Hier ein paar Kernaussagen und meine Sichtweise:

Der User wird zum Entscheider

Ist eine Anwendung zu kompliziert, wird sie nicht oder so wenig wie nötig genutzt. Ich kenne einen Fall, da haben User eine unzulängliche Vorgangsbearbeitung mit ein paar Tricks (und Abstrichen) in MS Outlook nachgebildet.

Wenn eine Anwendung richtig gut ist, nutzen die User sie gerne (und produktiv) – und erzählen das den Kollegen. Da braucht es bei der Einführung keinen Druck „von oben“. Die Anwendung verbreitet sich von selbst.

Geschwindigkeit zählt

Es ist egal, wo und wie eine Applikation läuft. Der Geschwindigkeit muss stimmen. Dass das auch bei zentral gehosteten Anwendungen geht, zeigen Unternehmen wie Google seit Jahren (Gmail etc.)

Erfolg ohne Schulung

Designen Sie Anwendungen so, dass man auch ohne Schulung erste Erfolge erreichen kann. Und das geht auch bei komplexen Unternehmensanwendungen, wirklich! Sie sind zwar komplexer, die User sind aber auch fachlich entsprechend ausgebildet. Und damit meine ich nicht die die fünftägige Softwareschulung, sondern die fachliche Ausbildung z.B. zur Bankkauffrau oder zum Verwaltungswirt.

Herausforderung Enterprise Design

Auch wenn viele Anforderungen der Consumer UX auf Unternehmensanwendungen übertragbar sind, mag es ein paar Unterscheide geben.

Erhöhtes Risiko

Daten sind das A&O eines Unternehmens. Sie stellen immer mehr den zentralen Wert eines Unternehmens dar. Daraus folgt, dass wir mit den Daten vorsichtig umgehen müssen. Übertriebener Schnickschnack kann von wichtigen Daten ablenken. Man sollte sich lieber auf die etablierten Standards verlassen. Meiner Meinung nach spricht auch noch dafür, dass man schwer abschätzen kann, ob sich das neuste Gimmick durchsetzen wird, oder vielleicht spätestens im nächsten Jahr verschwunden ist. Wenn man die Nutzungszeiten einer gestandenen Enterprise Application betrachtet (gerne auch mal 15 Jahre), hieße das, dass die User die verbleibenden 14 Jahre wahrscheinlich eher von dem „coolen“ Feature genervt sind.

Distanz zum Produkt

Wenn man als Designer eine Konsumentenplattform gestaltet, kann es gut sein, dass man sie selbst als Kunde nutzt. Man kennt das Produkt und die Nutzungsaspekte selbst recht gut. Das ist bei Unternehmensanwendungen in der Regel anders. Der Designer kann die Programme nicht selbst nutzen und Optimierungsansätze daraus ableiten. Der Designer muss stattdessen alle Nutzungsaspekte durch Nutzerbeobachtungen, Interviews etc. erheben,  analysieren und Nutzungsanforderungen ableiten.

Fazit

Die Anforderungen an die UX von Konsumenten- und Unternehmensanwendungen gleichen sich immer mehr an. Natürlich gibt es Unterschiede. Doch schließlich sind es dieselben Menschen, die auf der einen Seite für ihr Hobby im Internet recherchieren, den Urlaub planen, mit Freunden chatten, und andererseits am nächsten Morgen komplexe Schadenvorgänge bearbeiten.

 

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