Im Folgenden möchte ich das Zusammenspiel zwischen Nutzen und Nutzbarkeit, Funktion und Usability, WAS und WIE darstellen. Und letztendlich wird auch noch klar, warum ich „Nutzen zentrierte IT-Beratung“ anbiete.

Usability

Usability gewährleistet, dass ein gestecktes Ziel intuitiv und effizient erreicht wird. Das heißt aber noch nicht, dass das gesteckte Ziel auch den Anforderungen des Nutzers entspricht.

Glücklicherweise tritt die Nutzbarkeit eines Dings / einer Software immer mehr in den Fokus der Betrachtung. Wir sprechen von der Usability oder Nutzbarkeit einer Software. Und wir meinen damit, dass der Nutzer das Produkt gut und intuitiv bedienen kann. Dieser Aspekt ist viel zu lange ignoriert worden. Und wir alle kennen Software-„Lösungen“, bei deren Einsatz sich der Anwender sehr schwer tut – mit allen Konsequenzen wie hoher Fehlerrate, mangelnder Produktivität und Torpedierung der Kundenbindung. Heutzutage ist klar, dass die Nutzbarkeit (Usability) ein unverzichtbares Qualitätskriterium einer Lösung darstellt.

Bei der sehr engagierten Konzentration auf die Nutzbarkeit wird meines Erachtens häufig vernachlässigt, dass eben diese nur eine Seite der Erfolgsmedaille ist. Stellen wir uns folgendes vor:

Onlineshop mit guter Nutzbarkeit…

Wie haben einen grafisch klar und verständlich gestalteten Onlineshop. Die Anmeldung ist simpel, und der Nutzer kann schnell und einfach ein Paar Schuhe in den Warenkorb legen. Auch das Verändern des Warenkorbs durch Hinzufügen weiterer Produkte oder Ändern einer bestehenden Position sind intuitiv möglich und geben ein klares Feedback. Wir können also bis zu diesem Punkt von einer guten Nutzbarkeit sprechen: die Nutzbarkeit / Usability ist gegeben.

Derselbe Onlineshop mit geringem Nutzen

Nun hat der Nutzer die gewünschten Waren zusammengestellt und möchte die Bestellung abschicken. Doch was nun? Es gibt keinen Knopf oder Link zu diesem Zweck. Nicht, dass der Nutzer das Element nicht findet. Nein, diese Funktion ist einfach nicht implementiert worden! Sprachen wir bisher noch von einer guten Nutzbarkeit des Onlineshops, müssen wir jetzt erkennen, dass er nutzlos ist: keinen Nutzen bietet. Es mag zwar Spaß machen, einen Warenkorb auf elegante Weise zu befüllen. Wenn man den Einkaufswagen aber im Laden stehen lassen muss, ist das Einkaufserlebnis nachhaltig geschmälert. Das ganze ist sinnlos – ohne Nutzen.

Das Beispiel ist sehr drastisch und wird so in der Realität hoffentlich nicht vorkommen. Es gibt aber durchaus viele Projekte, bei denen wichtige Funktionen schlicht übersehen werden. So ist mir eine Fachanwendung bekannt, die das Verändern eines Kundenantrags verhindert. Möchte man nach Speichern eines Antrags einen schlichten Tippfehler korrigieren, muss man den aktuellen Antrag inaktivieren und einen neuen Antrag mit all seinen Daten aufnehmen. Dann bitte aber ohne Tippfehler. Welch ein Prozesswahnsinn!

Das Beispiel verdeutlicht: Ein Produkt ist erst sinnvoll, wenn es sowohl Nutzbarkeit als auch Nutzen gewährleistet.

Wie Nutzen und Nutzbarkeit zusammenspielen

Schauen wir uns die beiden Seiten der Medaille wie gerade dargestellt genauer an:

  • Der Nutzen fokussiert die fachlichen Funktionen eines Dings.
  • Die Nutzbarkeit fokussiert die kognitiven, intellektuellen und mechanischen Fähigkeiten des Anwenders.
Zusammenspiel von Nutzen und Nutzbarkeit

Zum Vergrößern anklicken: Zusammenspiel von Nutzen und Nutzbarkeit

Hieraus leite ich ab, dass wir uns bei der Nutzen-Betrachtung intensiv mit der Analyse fachlicher Anforderungen beschäftigen müssen. Wohingegen Nutzbarkeit auf der genauen Betrachtung der menschlichen Faktoren (Human Factors) basiert. Erst wenn beides in einem Produkt zusammen kommt, können wir von einer guten Lösung sprechen:

Das Produkt bietet die fachlichen Funktionen derart an, dass der Anwender sie im Sinne seines Nutzungsprozesses gemäß seinen Fähigkeiten nutzbringend einsetzen kann.

Nutzen und Nutzbarkeit im Projektablauf

Erst wenn Nutzen und Nutzbarkeit zusammenkommen, kann von einem erfolgreichen Projekt gesprochen werden.

Es liegt auf der Hand, dass man sich auch in der Software-Entwicklung mit beiden Aspekten beschäftigen muss. Und das bitte gleichermaßen intensiv. Wenn ich bezüglich der Funktionalität (Nutzen) von Analyse der fachlichen Anforderungen spreche, erfolgt das plausiblerweise früh im Projekt. Nämlich in der Analysephase, in der die fachlichen Inhalte definiert werden. Als Ergebnis ist klar, WAS gelöst werden muss.

Nach der Analyse ist es Aufgabe des Projekts zu beschreiben, WIE das gelöst werden soll. Hier – in der Designphase – werden nun die fachlichen Anforderungen (auf Basis der menschlichen Faktoren) in eine nutzergerechte Gestaltung übertragen. Wie gut das gelingt, entscheidet über den Grad der Nutzbarkeit.

Das muss dann natürlich auch noch technisch gut umgesetzt – sprich: entwickelt – werden. Doch wenn diese letzte Hürde genommen ist, kann man wirklich von einem guten Produkt sprechen.

Anmerkung: Analyse, Design und Entwicklung müssen nicht wasserfallartig nacheinander erfolgen. Auch bei inkrementell zyklischem Vorgehen oder beispielsweise Scrum gilt die Unterscheidung in unterschiedliche Tätigkeiten und Ergebnistypen.

Klarstellung zur User Experience

In den letzten Jahren hat sich neben Begriffen wie Usability, Barrierefreiheit etc. der Begriff der User Experience (UX) etabliert. Häufig werden Usability und User Experience gleichbedeutend verwendet. Dem geneigten Leser sollte nun aber klar geworden sein, auf welch unterschiedlichen Ebenen sich diese Begriffe bewegen. Beschränkt sich die Usability auf die nutzergerechte Umsetzung, so versteht man unter guter User Experience das positive Gesamterlebnis, das der Nutzer mit dem Produkt erfährt. Und das besteht eben aus Nutzen und Nutzbarkeit:

User Experience = Nutzen + Nutzbarkeit

Nutzen zentrierte IT-Beratung

Aufgrund der allgemein üblichen Verwendung des Begriffs User Experience und der damit verbundenen Verkürzung auf die designerische Tätigkeit biete ich lieber eine Nutzen zentrierte IT-Beratung an. Ich möchte damit der Geschäftsprozessanalyse als Teil meines Beratungsansatzes mehr Gewicht verleihen – ohne die Designleistung aus den Augen zu verlieren. Wie ich die beiden Aspekte in einem Projekt phasenübergreifend verbinde, ist Gegenstand eines späteren Artikels… Bleiben Sie dran!

Ich hoffe, Sie nicht vor den Kopf gestoßen zu haben. Lassen Sie uns gerne in eine spannende Diskussion einsteigen.

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