Letzte Woche hatte ich wieder die Gelegenheit, eine Gruppe erfahrener Entwickler mit verschiedenen Usability-Strategien vertraut zu machen. Nachdem wir uns mit den Grundlagen beschäftigt haben, ging es nun an die Praxis. Am Beispiel eines fiktiven Online-Kochbuchs galt es User Stories zu sammeln, Storyboards zu entwickeln, Wireframes zu skizzieren und den Entwurf anhand ersten Usability-Tests zu validieren.

Beim Mittagstisch wurde schon mal nebenbei über Prototyping gesprochen. Es müssten schon klickbare und navigierbare Prototypen sein. Sonst bringe das nichts. So in diesem Tenor äußersten sich verschiedene Teilnehmer. Ich habe das nicht weiter kommentiert, sah aber schon eine echte Herausforderung auf mich zukommen. Dem Paper Prototyping wurde also eine gewisse Skepsis entgegen gebracht. Es hilft nichts. Augen zu und rein ins kalte Wasser!

Die User Stories sind schnell gesammelt. Ja die Ideen sprudeln so flott, dass sie von drei Personen parallel aufgenommen werden müssen. Da stecken nun also die Anforderungen für das Online-Kochbuch an der Pinnwand und jeder kennt den Leistungsumfang. Von Rezeptaufnahme, Bewertung, Zutatenbasierte Suche, Integration mit Social Media wie Twitter, Facebook und G+, Einkaufsliste bis hin zur Einbindung von Spendenmöglichkeiten mit Micropayment ist alles dabei.

Nun soll in kleinen Arbeitsgruppen die Benutzersteuerung (User Interaction) für jeweils eine Rolle entwickelt werden. Das ganze soll anhand papierner Mockups (Prototypen) dargestellt und später getestet werden. Während drei Gruppen eine Browser-Lösung entwerfen, braucht ein Teilnehmer unbedingt eine vernünftige Einkaufsliste auf seinem Smartphone. Das stößt bei einer weiteren Teilnehmerin auf Begeisterung und so ist klar, was hier entstehen soll: DIE Koch-App! Ist doch klar, so viel Ansporn muss sein. Ich gebe zu, dass ich die beiden App-Designer (wollen wir sie weiter so nennen) für ihre Verve bewundere.

Jeder hat seinen eigenen Stil, sich einem Problem skizzenhaft zu nähern. Ich gebe daher den Seminarteilnehmern keine vorgefertigten Blanko-Screens auf Papier – also Ausdrucke mit leerem Applikationsfenster (Titlebar, Scrollbar etc.). Ich empfinde das als Einengung. Nun fällt unseren App-Designern aber ein, in einem Büro um die Ecke einen Block mit vorgefertigten iPhone-Screens gesehen zu haben – sogenannten Templates. Das muss man ausprobieren! Die Geschwindigkeit, wie die beiden nun auf Basis dieser Templates einen Screen um den anderen entwerfen, wie sie Alternativen erkunden und Varianten durchspielen, beeindruckt mich. Und es macht offensichtlich richtig Spaß. Da hat jemand Blut geleckt.

Nutzen zentrierte IT-Beratung: Papierprototypen für eine Koch-App

Nun möchte ich die Sache abkürzen. Auch die Teilnehmer, die eine „normale“ Browser-Lösung entworfen haben, haben super Ergebnisse erzielt. Allein die App-Designer haben mit den Templates eine enorme Menge an Screens produziert, die es ihnen ermöglichte, eben auch Varianten durchzuspielen. Das kann mehrere Gründe haben:

  • Eine App ist naturgemäß kleiner.
  • Die Benutzerführung ermöglicht keine separaten Navigationsbereiche – die muss man also nicht durchdenken
  • Die Templates erleichtern das Beginnen, weil da eben schon der erste Stich gemacht ist.

Wie dem auch sein mag. Bei den nächsten Seminaren werde ich den Teilnehmern solche Templates für Smartphones bzw. für Browser-Anwendungen zur Verfügung stellen.

Ach übrigens, die anschließenden Usability-Tests mit unseren Papierprototypen waren wirklich gut. Obwohl die Testteilnehmer nur „auf Papier rumklickten“, konnten noch wichtige Fragen aufgeworfen werden. Alle Testteilnehmer konnten aber die an sie gestellten Aufgaben erfolgreich absolvieren. Die Entwürfe haben also die Feuerprobe bestanden. Und das Vorgehen hat auch überzeugt:

  • Billig
  • Schnell gemacht
  • Schnell korrigiert
  • Es macht Spaß!

Fazit

Ich denke, dass Paper Prototyping und der Usability-Test mit diesen Papier-Mockups ein paar neue Fans gefunden haben. Es bewahrheitet sich wieder, dass diese Tests nicht teuer sein müssen (Ein weiteres Missverständnis: Usability Tests sind teuer). Und weil das alles so schnell gemacht ist, kann man auch einfach mal den Kollegen von nebenan um Feedback bitten. Das ist nicht hoch professionell – aber besser als nichts.

Ach so, bevor ich es vergesse: Diese Templates kann man übrigens bei uishape.com kaufen. Sie sind nicht umsonst. Wenn sie aber den Entwurfsprozess erleichtern bzw. beschleunigen, … Sie wissen schon. Das müssen Sie selbst entscheiden.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit vorgefertigten Templates?

 

Teile diesen Beitrag:

Hinterlassen Sie einen Kommentar

avatar
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: